Montag, 20. September 2010

Die erste Woche auf Arbeit

Es ist schon wieder einiges passiert in den letzten Tagen.
Samstag war ein Umzug quer durch die Stadt von „Toto-Love“ (was soviel heißt wie „Kinder-Liebe“), dem Projekt von Katja und Melanie. Stella und ich sind mitgelaufen, weil wir am Samstag frei hatten. Jeder hat ein extra bedrucktes T-Shirt bekommen, und wir vier wurden schon auf dem Weg zum Treffpunkt ein paar mal darauf hin angesprochen. Da der Umzug während der Mittagszeit stattfand, wurde es mit der Zeit doch recht warm, und man merkt, wie anstrengend es sein kann, nicht einmal 5 km zu laufen....
Toto-Love ist soweit ich weiß, ein Kinderheim für AIDS-Waisen. Mit diesem Umzug, welcher sogar von einer kleinen Kapelle angeführt wurde, sollte auf dieses Heim aufmerksam gemacht werden um mehr Spendengelder zusammen zukriegen. Ziel des Umzuges war die St.Pauls Kathedrale, wohl eine der Größten Kirchen in Ostafrika. Dort fand dann in einem noch eine Art Wohltätigkeitsveranstaltung statt, wo gespendet werden konnte, wo alles mögliche zu gunsten von Toto-Love versteigert wurde, und besondere Spender geehrt wurden. Ich glaube, insgesamt sind an dem Tag über 1000 € (also 100000 Kenia-Shilling) zusammengekommen. Ich hoffe, das da richtig was draus wird, weil das Projekt aus allen Nähten platzt mit seinem recht kleinen Grundstück...

Sonntag waren wir mit Naomi in einem Afrikanischen Gottesdienst. Es war ein besonderer, da eine Kirche renoviert und neu geweiht wurde, deshalb sind einige Gemeinden in dieser Kirche zusammengekommen. Es wird viel gesungen, und das recht peppig. Es haben einige verschiedene Chöre und kleine Ensembles gesungen, so auch Naomi mit ihrem Frauenchor.  Am Anfang fand ich das von einem Keyboard erzeugte Schlagzeug-“Geräusch“, welches fast jedes Stück begleitete, ganz ok, aber mit der Zeit fand ich es dann doch recht nervig.... Am Anfang wurde noch dieser und jener vorgestellt und begrüßt. Einer der Priester die da waren, rief dann auf einmal und vier Freiwillige auf, was wir jedoch etwas spät bemerkten, da wir bisher noch nicht wirklich Kiswahili verstehen. Also wurden auch wir vorgestellt und begrüßt...
Der ganze Gottesdienst dauerte etwa vier Stunden, wodurch es mit der Zeit recht anstrengend wurde, abgesehen davon, dass wir die ganze Zeit fast nichts verstanden haben, es sei denn, es wurde mal kurz ein Fetzen Englisch gesprochen...
Nach dem Gottesdienst gab es noch Essen. Dabei wurden wir offenbar zu „wichtigen Gästen“ erklärt und bekamen nicht nur einfach gewürzten Reis, sondern schon ein recht vielfältiges Essen. Als wir dann wieder per Matatu heimgefahren sind, war es schon gegen halb vier.
Am Abend hab ich noch das erste Mal richtig per Hand gewaschen. Besonders bei recht schweren Jeanshosen merkt man schon, was ne Waschmaschine für ein Luxus ist...

Am Montag war dann wieder ein ganz normaler Arbeitstag. Ich arbeite jetzt meistens von 8.00 bis 16.00.
Da hab ich das erste Mal an einer Drehbank gestanden und versucht aus einem Stück Holz ein paar Bälle zum jonglieren und einen Kreisel zu drehen. Der erste Kreisel ist recht gut geworden. John hat ihn inzwischen angemalt und für seinen Sohn mitgenommen :)
Abends haben wir Naomis älteste Schwester kennen gelernt, welche vom Alter eigentlich ihre Mutter sein könnte... Das Problem bei ihr ist, dass sie fast kein Englisch versteht. Deswegen fällt die Kommunikation mit unserem sehr sehr bröckeligen und vereinzelten Kiswahilikenntnissen recht schwer.
Dienstag waren weder John noch James auf Arbeit da, deshalb hatte ich eigentlich fast nichts zu tun. Dafür hab ich Justin,  einem der älteren Jungen (ich glaube er ist 15) beigebracht, auf stelzen zu laufen. Im Laufe des Tages haben wir dann noch ein weiteres Paar Stelzen gebaut und als ich mal eines der kleinen Kinder aus der Vorschulklasse auf die stelzen gestellt habe und von hinten gehalten habe beim laufen, waren die alle ganz verrückt danach. So bin ich bestimmt eine Stunde mit einer Meute Kinder herum über das Gelände des Kinderheims gewankt, ständig mit einem anderen Kind auf den Stelzen... Mit wenig Kiswahili war es leider erstmal schwierig zu verhindern, dass sich die stärksten ständig vordrängeln und die anderen wegschubsen aber nach einiger Zeit hab ich das ganz gut in den Griff bekommen....
an dem Tag habe ich auch wieder Bekanntschaft mit der zeitweisen Unzuverlässigkeit des Kenianischen Stromnetzes gemacht. Als ich mich nochmal an der Drehbank versuchen wollte, war dann ständig Stromausfall, so dass das Weiterarbeiten etwas schwierig wurde...
Nachmittags mussten die drei Mädels auf Naomis Anweisung alle ins Nagelstudio und sie die Zehnägel lackieren lassen...sie haben es mehr oder weniger begeistert gemacht :)

Mittwoch früh hab ich das erste Mal erlebt, das Kenianer in Eile sind. Sonst gilt ja fast überall der Spruch „There is no hurry in Afrika“. Ich bin mit James und ein paar anderen auf die Baustelle des kleinen Krankenhauses gefahren um endlich die Türen und einige Fenster einzubauen. Als früh der Laster im St. Stephen´s Home ankam, fingen auf einmal alle sehr schnell an die Türen und Fensterrahmen und Bretter aufzuladen, Werkzeug und allerlei Kram zusammenzusuchen, und da noch etwas fehlte wurden noch schnell ein paar Bretter zurecht gesägt und gehobelt, und dass alles in einer recht hohen Geschwindigkeit :)
Da nicht alle in den Laster passten, saß James mit auf der Ladefläche, sprang jedoch nach kurzer Zeit herunter und rannte einen anderen Weg lang als den den wir fuhren. Kurz darauf kamen wir in eine Polizeikontrolle, welche sich auf eine Äußere Sichtkontrolle des Lasters belief. Eigentlich ist das sitzen auf Ladefläche verboten, und so stieg James erst einige hundert Meter nach der Polizeikontrolle wieder auf. Nachdem noch eine Frau, die auch auf die Baustelle wollte, einstieg, bin ich auf auf die Ladefläche umgestiegen. Recht unbequem aber lustig, zwischen all den Brettern und dem Werkzeug zu sitzen :)
Auf der Baustelle angekommen kehrte wieder die typisch kenianische Gemütlichkeit ein. Also gab es beim arbeiten auch immer wieder Pausen, einfach um sich zu unterhalten. Da wir kein Mittagessen mit hatten sind wir ca. 2 km irgendwo hin gelaufen um Ein kleines Mittagessen und etwas Wasser zu bekommen.  Wieder auf der Baustelle stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass noch ein paar Balken und noch irgendwas anderes fehlen. Also wieder „Pause“ machen.
Zurück zum St. Stephens Home sind wir dann gelaufen, also wieder etwa 5 km. Unterwegs hab ich das erste Mal Zuckerrohr gegessen. Oder besser gesagt, ausgeketscht und die Fasern wieder ausgespuckt. James meinte, dass man das in Kenia meistens beim Laufen isst. Ich fand nicht übel :)
In der Stadt habe ich noch einen Fahrradschlauch besorgt um das zweite Fahrrad, welches im Kinderheim herumsteht zu reparieren, damit wir morgen zur Baustelle fahren können und nicht wieder laufen müssen. Ich habe Festgestellt, dass ein Fahrradschlauch in Deutschland vollkommen überteuert ist, denn hier hab ich nur ca. 1,50€ dafür bezahlt.
Mals sehen ob das alles funktioniert...
Heute (Donnerstag) haben wir es Vormittag geschafft, dass Fahrrad zu reparieren, auch wenn wir ein Paar Teile wie den Kettenschutz und den verbogenen Ständer abbauen mussten, damit nicht ständig irgend etwas am Hinterrad schleift. Die Fahrt zur Baustelle war ganz lustig, teilweise hab ich James auf dem Gepäckträger gehabt teilweise John. Hier in Embu ist es ziemlich hügelig, was das ganze etwas erschwert... Und wirklich schnell fahren kann man aufgrund der teilweise recht schlechten Straßen auch nicht.
Letztendlich sind wir aber gut auf der Baustelle angekommen und haben genau wie am Vortag weitergemacht. Zum Mittagessen haben wir uns ein paar „Wurzeln“ ausgegraben welche sich Cassava nennen, und wir haben noch eine Suppe aus Mais, Bohnen und Tomaten bekommen.
Hat eigentlich ganz gut geschmeckt, und man hat wieder was im Magen.
Dank den Fahrrädern ging der Rückweg auch etwas schneller als am Mittwoch, jedoch war es bedeutend wärmer als am Vormittag. Somit habe ich heute meiner erste „Fahrradtour“ in Kenia gemacht. Richtig schön, mal wieder richtig Fahrrad gefahren zu sein :)
Morgen werden wir auch noch einmal dorthin fahren. Hoffentlich werden wir dann fertig.
Heute Abend hab ich mal wieder Wäsche gewaschen...man braucht ganz schön lange, um eine Hose richtig zu waschen.....
Später am Abend musste ich jedoch feststellen, dass ich wahrscheinlich ein Stück von der Cassava-Wurzel gegessen habe, was man einfach nicht essen wollte. Jedenfalls ist mir davon schlecht geworden, und ich lag auch den nächsten Tag flach...
Aber ab Samstag ging es mir wieder besser, auch wenn ich mich noch wie ein Schluck Wasser gefühlt habe....
Samstag hatte ich auf Arbeit mal wieder etwas Zeit, da Samstag Waschtag war und sonst nicht so viel los war. Da konnte mal wieder ein bisschen Klavier üben :)
Sonntag Vormittag wollte ich eigentlich in die Gemeinde bei mir um die Ecke gehen, aber irgentwie war da absolut niemand. Also bin ich wieder auf Arbeit und Hab dort den Gottesdienst besucht.
Hier in Kenia ist offenbar so ziemlich jeder gläubig. Nach dem Gottesdienst war für die Kinder noch Sonntagsschule, es war ganz witzig, auch wenn ich nicht viel von dem ganzen Kiswahili verstanden habe. Einige von den Kindern spielen offenbar immer eine Bibelstelle nach, und die anderen müssen raten welche es ist, oder worum genau es ging.
Sonntag Nachmittag sind die ganzen Jungs zum Fußballspielen gegangen. Da waren dann auch die meisten größeren dabei, die wir bisher leider nicht wirklich kannten.
Ich hab auch mitgespielt, musste aber feststellen, dass meine Kondition extrem schlecht ist, jedenfalls wenn es ums rennen geht... Aber es war einfach toll sich mal wieder richtig zu bewegen.

Heute, also Montag hatte ich frei. Also erstmal ausschlafen. Und dann ein bisschen in meinem Buch
weiterlesen („Sie belieben wohl zu scherzen Mr. Feynman!“).
Danach hab ich mit Naomis großem Sohn Adrian Filme geguckt und wieder Wäsche gewaschen.
Adrian ist glaube ich 17. Eigentlich müsste er im Internat sein, aber aufgrund irgentwelcher Probleme ist er erstmal zu Hause...

Jetzt im Internetcafe war erstmal Stromausfall... also hinsetzen und warten bis der Strom wiederkommt. Ein Glueck, dass ich meine Texte immer vorher schreibe und gespeichert habe... sonst haette ich jetzt alt ausgesehen und alles neu schreiben duerfen :)

Liebe Grüße an alle aus Kenia!
Euer Philipp

2 Kommentare:

  1. Hallo!
    Das klingt alles ganz toll, was du da schreibst, besonders da ich jetzt im vorkurs chemie sitze und mir von unverständlichen professorenstimmen erzählen lasse, was ich in der schule alles hätte lermem müssen.
    irgendwie haben wir as nicht, oder zumindest nicht alles gelernt...
    aber das wird schon. zum glück stehen ja zu allem die protokolle im internet:)

    ich freu mich für dich, dass du endlich ein fahrrad hast! musst du ja sehr vermisst haben:)
    ich hab neulich in dresden ei paar leute mit fahrradpoloschlägern durch die stadt fahren sehen und musste sofort an dich denken:)
    ich muss mich mit dem rad an die dresdner berge gewöhnen:)

    ich muss jetzt aus der mensa gehen, und danach habe ich kein internet mehr...
    ich shcreibe dir mal eine mail, wenn ich wieder welches habe:)

    ach ja, freut mich, dass der rechner doch zu was gut ist:)

    ich hab dich lieb!
    deine lena

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  2. Hallo Philipp,
    hier ist Thomas vom Flugplatz. Angela (!!!) hat deinen Blog gefunden (wie hat sie das nur gemacht ? Ich bin Sprachlos).
    Deine Geschichten gelesen, sehr interessant, schön geschrieben. Habe den Leuten vom Verein mal einen link rumgeschickt. Krumbi wird mit Wohlwollen lesen, dass du dich jetzt in der Holzwerkstatt schaffst:-)
    Können wir deinen Blog auf unsere webseite verlinken ?
    Hab´weiter eine schöne Zeit in Kenia (ich beneide dich um die Erfahrungen dort)
    Thomas

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