Freitag, 15. Oktober 2010

Auf Safari


Am Sonntag den 10.10.2010 (das dieses lustige Datum ist haben wir erst am Abend bemerkt)
war ich das erste Mal in einem Nationalpark hier in Kenia auf Safari.
Die Bezeichnung Safari ist eigentlich etwas komisch, da „Safari“ in Kiswahili einfach nur Reise bedeutet.
Wir, also Katja, Melanie, Stella, John und ich waren im Mwea Nationalpark, welcher gar nicht wo weit von Embu entfernt liegt.
John ist ebenfalls ein Freiwilliger, welcher auch mit uns hier in Kenia angekommen ist. Er unterrichtet in Kisumu am Victoriasee an einer Grundschule und hat uns dieses Wochenende einfach mal Besucht, da gerade Prüfungen geschrieben werden und er deshalb sein Wochenende verlängern konnte.
Zum Mwea-Nationalpark sind wir mit einem Taxifahrer, den Naomi für uns bestellt hat, zu sechst im Auto gefahren, also zu viert auf der Rückbank. Der Mwea-Park ist zwar relativ klein und eher unbekannt und auch weniger von Touristen besucht, jedenfalls waren wir an diesem Tag die einzigen die da waren.
Dort im Nationalpark sind wir auf einen geländegängigen Pick-Up mit Sitzbank auf der Ladefläche umgestiegen. Zwar mussten wir dieses Auto extra mieten denn wir hätten auch mit unserem Taxifahrer durchfahren können, aber es hat sich als sehr gute Entscheidung herausgestellt. Erstens hat man einfach viel mehr Platz als in dem kleinen Auto, zweitens sitzt man draußen und kann einfach viel mehr und besser sehen und drittens macht es einfach richtig Spaß so durch die auf der Ladefläche über die sehr holprigen Wege zu fahren. Und manchmal habe ich geglaubt, dass das Taxi einige der Wege niemals heil überstanden hätte...
Außerdem hatten wir dadurch noch einen Fahrer direkt vom Nationalpark, der alle guten Stellen kennt, und weiß, wo man welche Tiere beobachten kann.
Am Hauptquartier wurden wir erstmal von einem toten Krokodil genau neben dem Pick-Up überrascht. Ich fand es toll, sowas mal richtig aus der Nähe betrachten zu können.Als wir losgefahren sind haben wir erstmal nur Gestrüpp gesehen, welches sich im gesamten Nationalpark befindet. Nur am Tana-River, einem der größten Flüsse in Kenia, stehen mehr Bäume, die nicht vertrocknet sind.
Dann haben wir als erstes ein paar Zebras gesehen, die vor uns auf dem Weg „geflüchtet“ sind, und nach kurzer Zeit schon wieder im Gebüsch verschwunden waren...
Danach sind die ein paar Giraffen aufgetaucht, welche sich als extrem ruhige Tiere herausgestellt haben: Einfach dastehen und beobachten, was da auf dem grünen Auto vor sich geht...
als nächstes konnten wir ein paar Büffel sichten, welche jedoch auch sehr schnell wieder verschwunden waren. Nach und nach konnten wir Elefanten, Affen, Perlhühner, weitere Giraffen und Zebras, zwei Geckos, einige interessant aussehende Vögel und ab und zu auch ein paar Antilopen beobachten, wobei sich das bei den Antilopen auf maximal zwei Sekunden beschränkte, da sie meistens nur vor oder hinter und über den Weg gesprungen sind.
Der erste Elefant wurde auch etwas Wütens über uns, da wir auf dem geschlängelten Weg hin und her gefahren sind und wir ihm so einmal etwas den Weg abgeschnitten hat. Seinen Unmut darüber hat er mit einem lauten, schon sehr beeindruckenden Tröten in unsere Richtung bekundet, was einen schon erstmal ein bisschen erschreckt.
Ab und zu musste man sich wegen einiger herunterhängender Äste (teilweise auch mit Dornen) ducken. Einmal war ich etwas zu langsam, sodass ich jetzt ein paar Kratzer mehr und an meinem Hemd wieder etwas zu nähen habe :). Stella und John haben aufgrund der Äste auch jeder mal kurz ihre Mütze verloren :) Auch das fahren auf dem Pick-Up war teilweise recht anstrengend, da man einfach keine Sekunde auf der Fläche stehen oder sitzen kann ohne durchgeschüttelt zu werden oder sich nicht irgendwo festzuhalten.
Irgendwo am Tana-River haben wir angehalten und sind direkt ans Ufer gelaufen, von wo wir etwa zehn Nilpferde beobachten konnten. Das Leben eines Nilpferdes muss recht gemütlich sein: Den ganzen Tag im recht warmen Wasser liegen, ab und zu mal zum Luft-holen auftauchen, abends mal eben ca. eine Tonne Grünzeug fressen und danach wieder ins Wasser...
Es ist schon lustige, wenn man nur ein Paar Ohren und ein Paar Nasenlöcher aus dem Wasser ragen sieht. Ab und zu streckte mal eines den Kopf etwas weiter heraus, meist von einigen anderen gefolgt um zu beobachten was draußen am Ufer so vor sich geht.
Nach einigen Stunden, als wir schon wieder kurz vor dem Hauptquartier waren, sind wir nochmal auf einige Affen und danach auf eine ganze Gruppe von Zebras und auf eine Giraffe gestoßen. Diese Gruppe war weniger schreckhaft als unsere erste, sie haben sich eine ganze weile in Ruhe beobachten lassen. Und das nur etwa zehn Meter von uns entfernt!!!

Insgesamt war es einfach ein toller Tag im Mwea-Nationalpark, auch wenn es teilweise ganz schön anstrengend war. Aber ich denke, dass die Fotos für sich sprechen :)
Die Fotos von diesem Tag (oder besser gesagt eine kleine Auswahl) habe ich unter diesem Link abgespeichert:

Abends waren wir noch im „Gerish“ das ist ein Hotel und Restaurant keine 100 Meter von unsrer Haustür entfernt. Dort habe ich ein herrlich gebratenes viertel Huhn verspeist. Einfach köstlich...und toll auch mal wieder etwas heimisches zu schmecken....

.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Der erste Monat ist ja schon rum...

Nach etwas längerer Zeit lasse ich nun mal wieder etwas von mir hören...
das die Pause jetzt etwas länger wurde, liegt hauptsächlich daran, dass ich einige Probleme mit meinem Konto hatte, und zwischenzeitlich nur noch 10 Kenya-Shilling (etwa 10 ct, von denen ich sechs Ingwer-Kekse hätte kaufen können, was ich letztendlich auch gemacht habe) hatte. Wir haben hier zwar einen Internetstick, jedoch funktioniert der nur recht langsam und auch nur, wenn der Empfang gerade mal in Ordnung ist, weshalb ich froh war, ab und zu mal E-Mails checken zu können, und auf diesem Weg versuchen konnte mein Konto-Problem zu lösen. Wenn dieser Eintrag erscheint, dann ist dieses Problem aber erstmal gelöst, oder ist auf dem Weg gelöst zu werden.
Was ich persönlich sehr interessant finde, ist, dass ich nun schon einen Monat lang weg bin, und die Zeit bisher vergangen ist, wie nichts, auch wenn ich außer meiner Arbeit nicht sehr viel gemacht habe.
Bei mir im St. Stephen´s Children´s Home, oder für mich größten Teils in der St. Stephen´s Werkstatt, läuft die Arbeit so vor sich hin, manchmal arbeitet man den ganzen Tag, manchmal ist den halben Tag einfach keiner da, und manchmal sitzen wir auch einfach herum und unterhalten uns, auch wenn sich eventuell etwas finden ließe, was man tun könnte. Aber es macht immernoch Spaß. Irgentwann habe ich mal einen Kreisel (also einen, den man mit einer Peitsche antreiben kann) gedreht, und ich hab mit John und James den ganzen Tag gekreiselt. Einige der Jungen haben offenbar etwas Blut geleckt, und so habe ich inzwischen mindestens 5 weitere gebastelt. Irgentwann hab ich sogar mal zwei Jungs gesehen, die im Klassenzimmer während der Mittagspause gekreiselt haben :)
Richtgig in der „Tischlerei“ habe ich inzwischen einige alte wacklige Stühle mit repariert, neu lackiert und neu gepolstert, welche inzwischen in dem neuen Krankenhaus stehen, welches inzwischen als „St. Stephens Health Center“ benannt ist, und im Stadtteil „Gatondo“ steht.
Es gibt hier so einige Stadtteile, das St. Stephen´s-Home und meine Gastfamilie sind z.B. um Stadtteil „Majimbo“. Ich habe es geschafft mir ein kleines Regal zusammenzuzimmern, was jetzt dazu dient, den riesigen Schrank, den jeder von uns vier Freiwilligen hat, etwas zu unterteilen und besser auszunutzen. Stella hatte die Idee, eine Art Hakenleiste mit gedrehten „Haken“ für jeden von uns anzufertigen. Naomi gefallen die Dinger so gut, das sie inzwischen auch eine hat, und auch John hat mit mir noch eine für sich gebaut.
Irgentwann abends hat es das erste mal richtig stark geregnet. Das ganze ist hier ohne Vorwarnung passiert, auf einmal hörte man nur, wie der Regen auf das Wellblechdach unseres Hauses Niederprasselte (ich glaube, hier hat so gut wie jedes Haus ein Wellblechdach...)
Edwin mein Gastbruder (ich hab ihn im letzten Eintrag falsch geschrieben, weil das ganze in dem kenianischen Englisch sehr ähnlich klingt) und ich kochen immermal zusammen das Abendessen, was das einzige ist, was die ganze „Familie“ immer zusammen macht.
Für dieses Abendessen wird meistens kurz vorm kochen festgestellt, das irgendetwas fehlt, also bin ich auch schon einige Male im Dunkeln auf den kleinen Markt bei uns um die Ecke, oder zum Fleischer, oder in einen der zahlreichen kleinen Läden, die es an jeder Straßenecke gibt gelaufen um noch irgendetwas zu besorgen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich offenbar im Dunkeln leuchte.
Am Tag hört man aller zwanzig Meter meistens von Kindern ein freudiges „Mzungu!“ (was „Weißer“ bedeutet) oder ein „How are you?“. Eigentlich denkt man ja, das man im Dunkeln nicht ganz so auffällt, da es außerhalb der Innenstadt von Embu keine Straßenbeleuchtung gibt und sonst nur ein paar einzelne Lampen von den Läden existieren, aber irgentwie bekommen die Kinder, die abends gegen 20.00 noch auf der Staße sind, das irgentwie mit das man da ist, also fangen sie wieder an nach einem zu rufen.
Seit Freitag dem 1.10. habe ich einen Namen in Ki-Embu, des Muttersprache von John und James und dem meisten Personal von St. Stephen´s: Philipp Mugwimi (was die Übersetzung von Jäger ist). James´ Nachname „Kivuti“ ist das Wort für den Vogel Strauß in Ki-Embu.
Schon interessant zu wissen, was die einzelnen Namen bedeuten :)

Diesen Sonntag war hier Erntedanktag. Wir sind in eine andere Kirche zusammen mit einigen Gemeindemitgliedern aus Naomis Gemeinde gefahren. Dort wurde viel Gemüse und auch Hühner gespendet, welche nach dem Gottesdienst versteigert wurden.
Naomi hat viele Bananen, einen Kürbis, einige Papayas und ein Huhn (lebendig) ersteigert.
Die Rückfahrt erfolgte genau wie die Hinfahrt mit ca. 25 Mann eingequetscht in einem Matatu.
Abends habe ich das Huhn zusammen mit Naomi geschlachtet. Ich fand es unglaublich interessant, mal zu sehen, wie das alles so vor sich geht und wie es in einem Huhn so aussieht :)
Am ende hat es leider trotzdem nicht so gut geschmeckt, wie ich es erhofft hatte...

Diese Woche ist bisher nichts ungewöhnliches passiert, aber am Sonntag wollen wir in einen National-Park fahren. Ich hoffe, dass ich dort mal ein paar Tiere zu Gesicht bekomme.

Erstmal wieder liebe Grüße an alle
eruer Philipp