Donnerstag, 25. November 2010

Kenianische Arbeitsverhältnisse, Fußball und anderes.

Nachdem ich mich jetzt wieder eine Weile vor dem Berichte schreiben gedrückt habe lasse ich mal wieder was von mir hören.
Mir ist (jetzt schon eine Weile her) mal richtig bewusst geworden, warum schon 500 Kenia-Schilling(KSH, ca5€)für viele Kenianer einiges Wert ist. Als ich an einem Tag einen bereits ausgelieferten Schrank noch lackieren war, wurde ich von unserem „Auftraggeber“ gefragt ob ich noch mit helfen wolle einen LKW mit zu beladen. Da ich nichts anderes vor hatte hab ich einfach mal mitgemacht.
Also habe ich mindestens 1,5 Stunden in der heißen kenianischen Sonne schwere Zaunspfeiler aus Beton geschleppt und auf nen LKW gehievt. Auch wenn wir mindestens 4 Leute pro Pfeiler waren kommt man dabei richtig ins schwitzen. Dafür habe ich danach 75 KSH, also etwa 75 Cent bekommen...

Am Samstag den 6. November bin ich mit dem St.Stephens Fußballteam (wobei viele Spieler auch von außerhalb kommen) nach Kigari, ein „Stadtteil“ welcher etwa eine viertel Stunde (per Matatu)
von der Innenstadt entfernt liegt, zu einem Fußballurnier gefahren. Diese Fahrt stellt auch meinen persönlichen Rekord in der Überfüllung eines Matatus dar: wir waren 28 Personen in einem Matatu für 14 Passagiere :)
Dort haben wir zwei Spiele gespielt, das erste wegen unaufmerksamer Schiedrichter verloren und beim zweiten waren die Gegner einfach viel besser.... Auch wenn ich wieder mit nem schönen Sonnenbrand zurückgekommen bin war es ein lustiger Tag.

Edwin, mein Gastbruder hat es jetzt offenbar geschafft wieder recht normal zur Schule zu gehen und hat jetzt auch die Abschlussprüfungen der 11. Klasse (hier Form 3 genannt) recht gut abgeschlossen.

Einen Sonntag Nachmittag waren wir mit Maureen unserer Gastschwester und einigen Kindern aus St. Stephens schwimmen. Eigentlich war geplant mit denen schwimmen zu gehen, die ihre Primary- School (die hier bis zur achten Klasse geht) abgeschlossen haben aber letztendlich sind auch einige andere mitgekommen.
Ist schon lustig im November im strahlenden Sonnenschein in nem offenen Pool schwimmen zu gehen :)

Diese Woche habe ich beschlossen mal zum Arzt zu gehen, da meine Haut einige immer größer werdende mit Grind bedeckte Stellen aufwies. James hat mir einen offenbar sehr guten Arzt empfohlen er hat mir Dienstag Nachmittag gezeigt wo der ist. Der Arzt selber war jedoch nicht da und die Schwestern meinten, ich solle am Nächsten Tag gegen 5.30 morgens kommen.
Also bin ich Mittwoch gegen 4.00 Uhr aufgestanden und war dann gegen 5.40 Uhr bei der Praxis.
Dort im Gang saßen bereits 15 Leute die darauf warteten, dass die Praxis um 6.00 Uhr aufmacht.
Also habe ich die Wartenummer 16 bekommen und angefangen mit warten.....
Nachdem ich dort den halben Tag im Wartezimmer verbracht habe bin ich gegen 15.00 drangekommen. Ich habe also ganze acht Stunden gewartet um von einem richtig professionellen Arzt behandelt zu werden. Dabei habe ich einige Punkterekorde in sämtlichen auf meinem Handy vorhandenen Spielen gebrochen und den Teil der mit Reisetipps für England und die USA in meinem Englischwörterbuch durchgelesen...
Ich glaube dieser Arzt hat noch eine Praxis in Nairobi und er pendelt immer hin und her... (nach der Beschreibung von James schläft der offenbar so gut wie nie...)
Mit der Medizin die ich bekommen habe wird das ganze Hautproblem jedochs chopn deutlich besser. Es hat sich also gelohnt :)

Dieses Wochenende wollen wir Nairobi fahren um dort mal ein paar andere Freiwillige zu besuchen.
Und nächste Woche planen wir umzuziehen. Da es hier für die meisten seeeehhhr ungewöhnlich (um nicht zu sagen unmöglich) ist, dass ein Junge und ein Mädchen ein Schlafzimmer teilen, haben wir schon eine ganze Weile nach einer anderen Wohngelegenheit gesucht. Letztendlich musste natürlich noch Papierkram erledigt werden wodurch auch noch einige Probleme entstanden sind.
Jetzt sieht es jedoch so aus, als ob jetzt alles gelöst ist... Hoffen wir das beste :)

Was für mich noch total komisch ist, ist, dass am Sonntag schon erster Advent ist!
Und hier fühlt es sich an als wäre immernoch Juli :) Ich bin gespannt, wie Die Adventszeit hier wird ...

Liebe Grüße aus Embu
Philipp

Montag, 1. November 2010

Habari?

(Wie geht’s?)
Zu aller erst vielen Dank für die vielen lieben Grüße und Wünsche!
Hier in Kenia geht alles soweit seien Gang und bisher gab es eigentlich keine großartigen Veränderungen. Aber ich habe die neuapostolische Kirche hier in meinem Stadtteil gefunden und konnte dort schon ein paar mal den Gottesdienst besuchen. Zwar wird hier in Kiswahili gepredigt und ständig per Dolmetscher in Ki-embu (die Muttersprache vieler Leute hier, da die Stadt größtenteils vom Stamm der Embu bewohnt wurde und wird), aber bisher hat immer ein Bruder neben mir für mich in Englisch übersetzt. Und wenn bisher irgent jemand von einer Reise wiederkam und berichtet hat, dass er sich in der dortigen Gemeinde sofort wie zu Hause gefühlt hat, dann kann ich das absolut bestätigen.
Am 20. Oktober war hier Feiertag, „Maschujaa-Day“ zu Ehren der Menschen die hier in Kenia für die Unabhängigkeit gekämpft haben. An diesem Tag sind wir mit acht der Kinder, welche den „Kenya Scouts“ angehören (ich glaube das entspricht etwa unseren Pfadfindern) in die Stadt gegangen, wo sie bei einem Polizeiumzug quer durch die Stadt zum Stadion mitgemacht haben.
Es war auf alle Fälle recht beeindruckend mindestens 200 Uniformierte (verschiedene Polizeigruppen, Sicherheitsleute, und die Scouts in verschiedenen Altersklassen) durch die Stadt marschieren zu sehen.
Hier in Kenia hat jetzt tatsächlich die Regenzeit begonnen. Bisher wirkt sich das so aus, dass es nachts meistens regnet und das teilweise auch recht stark. Früh am Morgen ist dann erstmal alles schlammig und auch etwas rutschig aber im laufe des Tages trocknet das bisher so schnell ab, dass abends schon wieder die übliche Staubschicht auf den Straßen ist.
Und es ist immer noch schön warm, sodass ich in meier Freizeit mit Sandalen und kurzen Hosen rumlaufen kann :)
Letzten Freitag wurde ich früh auf dem Weg zur Arbeit mit einem herrlichen Blick auf den Mt. Kenia überrascht.

Der Gipfel ist noch etwa 50 km von Embu entfernt und normaler Weise sieht man ihn wegen der diesigen Luft oder wegen der Wolken nicht. Am Morgen war es aber so klar dass es aussah, als wäre er gleich hinter dem nächsten Hügel...Da musste ich gleich nochmal zurücklaufen und meinen Fotoapparat holen :)

An diesem Tag habe ich auch das erste mal hier in Kenia einen Bart (Segelfliegersprache für Aufwind) beobachtet. Zwei Vögel die einfach nur kreisten und dabei immer höher stiegen ohne mit den Flügeln zu schlagen... Das war wieder so ein Moment wo man anfängt etwas zu vermissen und wo ich mich einfach nur in ein Segelflugzeug gewünscht habe...

Nachmittags bin ich unbeabsichtigt mit einem Gefängnistransport mitgefahren.
Die Matatus, also die üblichen öffentlichen Verkehrsmittel sehen alle etwa so aus: 

Ich bin also in eines eingestiegen, hab mich nur etwas gewundert dass kein Geldeintreiber drin sitzt oder steht und erst als ich drin saß, hab ich bemerkt, dass das „Matatu“ von zwei Polizisten gefahren wird. Neben und hinter mir saßen ganz normale Leute.
Jedoch sind wir kurz nachdem ich eingestiegen bin von der Hauptstraße abgebogen und zum Gefängnis gefahren. Dort sind dann die sechs Inhaftierten, welche ganz hinten im „Matatu“ saßen und allesamt schwarz weiß gestreifte Gefängnisanzüge an hatten, ausgestiegen und haben in Zweierreihen hockend darauf gewartet das das Tor geöffnet wird.
Als alle drin waren sind die Polizisten wieder eingestiegen und wir sind wie ein ganz normales Matatu in die Stadt gefahren. Nur gekostet hat es nichts :)
 Samstag Nachmittag war ich das erste mal hier in Kenia beim Friseur. Die Mähne musste mal wieder ab :)
Jetzt sehe ich so aus:

Der Friseur hat etwa zwei Stunden gebraucht und manchmal hatte ich das Gefühl, das er am liebstens jedes Haar einzeln abschneiden würde und dass er nach dem Prinzip arbeitete, das  man, wenn man zehn mal einen Millimeter abschneidet, auch einen Zentimeter geschafft hat :)
Das Problem an der Sache ist nur, dass er sowas absolut nicht gewohnt gewesen sein kann. Die meisten Kenianer rasieren sich die Haare einfach auf ca 5 mm ab, was den Schneideprozess deutlich vereinfacht :)
Am Sonntag Nachmittag hab ich festgestellt dass mein Tagebuch fehlt. Da ich mein gesamtes Zimmer schon durchsucht hatte und ich es am Samstag mit im St. Stephens hatte habe ich dort danach gesucht. Einer der Jungen meinte, er habe einen anderen mit so einem Buch gesehen und hat mich zu ihm gebracht. Der hat mir das Buch auch wiedergegeben und behauptet, er hätte es in einem der Mülleimer gefunden. Jedoch waren alle beschriebenen Seiten ausgerissen und er meinte, er hätte es so gefunden. Als ich ihn gefragt habe ob er weiß, wo die Seiten sind, hat er mich sofort zum richtigen Mülleimer geführt, wo alles drin war, auch das was nur in dem Buch drin lag...
Das einzige was ich nicht weiß ist, ob ich es irgentwo liegen gelassen habe oder ob es zusammen mit dem Kuli (welcher ebenfalls verschwunden ist) aus meiner Tasche genommen wurde... Letzteres würde auch erklären warum schon immer mal etwas Kleingeld aus meiner Tasche verschwunden ist...
Schade dass man den Kindern nicht genug vertrauen kann um seine Tasche einfach in die Werkstatt zu stellen.
Zum Glück habe ich alles wiederbekommen und die etwas nassen Seiten sind immernoch gut lesbar...
Zur Zeit versuche ich ein paar Teile für mein Fahrrad zusammenzukaufen, was sich manchmal echt als Problem erweist, da ich eine recht genaue Vorstellung habe, was für Teile ich haben möchte :)
Mal sehen wie lange ich brauche um alles zusammenzukriegen.

Liebe Grüße aus Embu
Philipp