Innzwischen ist es schon eine ganze weile her, dass ich das letzte Mal über das laufende Geschehen berichtet habe. Inzwischen ist wirklich so einiges passiert.
Im St. Stephens hat sich für mich etwas recht grundlegend verändert: James mit dem ich oft in der Schreinerei
gearbeitet habe, hat Embu im Januar verlassen um für ein ganz anderes Projekt (mit wesentlich besseren
Zukunftsaussichten für ihn) zu arbeiten. Das heißt, ich habe eine meiner Hauptaufgaben verloren. Und ich habe auch einen sehr guten und netten Kollegen dadurch verloren, genauso wie meinen Billard-Partner...
Nachdem ich also erstmal recht wenig zu tun hatte, habe ich inzwischen wieder einige Aufgabenbereiche gefunden.
Eine der Dinge die etwas ungewöhnlich waren, ist, dass wir seit Januar für etwa zwei Monate kein Wasser mehr in der Leitung hatten. Außerdem hatte es bis zu meinem Zweischenseminar im März nicht mehr geregnet, weshalb alles total staubig und trocken ist.Einmal bin ich auf einer Straße gefahren, wo der Staub mindestens fünf Zentimeter hoch lag. ach so einer langen Zeit ohne Leitungswasser und Regen waren die Tanks im St. Stephens (sogar die beiden riesigen unterirdischen) leer oder zumindest fast leer. Die Küche hat leider keinen Anschluss zu einem der Tanks, weshalb ich in letzter Zeit jeden Tag Wasser in 20l Eimern zur Küche geschleppt habe. Kurz bevor Stella und ich zum Zwischenseminar gefahren sind, wurde endlich mal die schn seit langem vorgesehene Pumpe in unserem 60 feet (ca 20m) tiefen Bohrloch installiert. Nur der elektrische Anschluss hat noch gefehlt. Nach dem Seminar hat mich in Bezug auf die Pumpe eine Enttäuschung erwartet: sie pumpte einfach kein Wasser. Erst wurde es darauf geschoben, dass vielleicht der Durchmesser der verwendeten Rohre zu groß war und deshalb nicht genügent Druck aufgebaut werden konnte um das Wasser in den Tank welcher nochmal ca 5m über dem Boden steht zu pumpen. Also wurde am Montag darauf alles wieder abgebaut und nochmal mit dünneren Rohren installiert. Als alles fertig war, Strom angeschlossen war und erwartungsvoll der schalter betätigt wurde mussten wir wieder feststellen, dass sich absolut nichts tut. Nur ein dumpfes Brummen aus dem Bohrloch. Also gleich nochmal alles abgebaut und die Pumpe rausgeholt, in ein Fass Wasser gestellt und nochmal laufen lassen. Wieder nur ein Brummen. Wir dachten schon, die Pumpe wäre kaputt, dann kam jemand auf die Idee die Pumpe an einer anderen Stelle an den Strom anzuschließen. Bis zu diesem Tag gab es überall im St. Stephen´s unterschiedlich starke Steckdosen was die mögliche Leistung betrifft. Und siehe da: die Pumpe läuft wunderbar! Also weiter nach dem Fehler suchen. Nachdem wir sämtliche schalterkästen geöffnet und untersucht hatten stellte sich heraus, dass im ersten Kasten einer der
Anschlüsse weggebrannt war und folglich in allen folgenden Kästen viel weniger Leistung zur Verfügung stand.
Letztendlich haben wir die Pumpe noch an diesem Tag zum laufen gebracht und schon am Abend endlich wieder Wasser aus der Leitung.Nachdem ich gezwungener Maßen zwei Monate mit nem Eimer Wasser geduscht hatte war das schon schön, wiedermal eine "normale" Dusche zu haben :).
Am 27. Februar hab ich den zweiten Kindergeburtstag mit den Kindern gefeiert. Da Stella nicht da war (sie hat gerade Ruben und Julian im Masailand bei Ilpartimaro besucht) musste ich das ganze alleine organisieren, aber zum Glück haben mir Purity und Paul, die zur Zeit ältesten Kinder im Heim geholfen, sonst wäre das ganze einfach unmöglich gewesen.
Im Januar hatten wir das Problem, dass wir uns nicht vorher mit den Kirchenverantwortlichen, die unsere Halle als Kirchenraum nutzen abgesprochen, und konnten demnach die Musikanlage nicht bekommen. Außerdem war die Absprache mit der Küche etwas schlecht. DAs habe ich diesmal zum Glück besser hinbekommen. Paul hat den ganzen Musikkram erledigt wodurch bei den Kindern natürlich eindeutig mehr Stimmung aufkam (Im Januar sind iwr dann notgedrungen auf meine Box ausgewichen, die für die Dinninghall aber einfach zu klein ist um ordentlich Sound zu erzeugen)Auch mit der Küche hab ich mich diesmal etwas besser abgesprochen, wodurch ich das Abendessen gut mit in das ganze Programm einbinden konnte. beim letzen Mal gab es dann eine unschöne geschriehene Unterbrechung das die Kinder jetzt sofort essen gehen müssten...
Das einzige Problem gab es leider, weil etwas zu wenig Popkorn und so gekauft hatte. Deshalb musste ich dann für einige Kinder auf Bonbons und so umsteigen, was die einige andere dann wieder ungerecht fanden...
Und Martin und John-Marc haben sich am abend dann noch gezofft, wobei der kleine martin offenbar ganz schön was abgekriegt hat...
Ansonsten war es aber ein recht gelungener Tag, auch wenn es ganz schön stressig war und ich am Abend dann auch etwas heiser war :)
Auch die weiteren Geburtstage, die inzwischen gefeiert wurden (es sind ja inz´wischen schon wieder zwei weitere Monate rum) sind toll verlaufen, und ich glaube, dass wir den Kindern damit schon eine große Freude bereiten. Ich werde auch fast jede Woche gefragt, ob am Sonntag wieder eine Party ist :)
Im März war dann am 4. meine offizielle Halbzeit hier in Kenia, auch wenn das ganze absolut unspektakulär war,ein ganz normaler Tag wie jeder andere. War nur ganz lustig mal zu wissen, dass ich da schon genau ein halbes Jahr in Kenia war, auch wenn es mir niemals so vorkam.
Ab dem 17.03. war dann Zwischenseminar, auf das ich mich schon eine Weile gefreut hatte. Also Donnerstag früh in Ruhe gefrühtückt, Rucksack gepackt, verabschiedet und dann per Matatu nach Nairobi. Dort haben wir uns schon in der Stadt mit einigen anderen Freiwilligen getroffen und sind dann zuammen zu unserem "Hotel", dem "Rosa Mystica Spiritual Centre" gefahren. Und der Name passt absolut, denn das gesamte Gebäude ist rosa gestrichen, sogar innen sind die meisten Wände rosa...Wie ich schon von Jonas am Telefon erfahren hatte ist das ganze recht luxoriös. Jedenfalls wenn man es mit den Verhältnissen vergleicht in denen die meisten Freiwilligen leben.Es gab absolut tolles Essen, was auch recht europäisch war. Und es gab WARME Duschen!!! (Das letzte Mal das ich warm geduscht habe war im Februar als ich bei Jonas in Nairobi war, und vorher kann ich mich nicht wirklich dran erinnern, und zuletzt hatte ich ja nur noch mit Wassereimer geduscht :) )
Das Seminar war einfach toll. Wir hatten einfach ein tolles Seminar. Viele Probleme, z.B. unser Koordinator und Mentor David, mit dem wir vier in Embu auch so einiges wegen unserem Wohnungsproblem hatten wurden besprochen, Lösungen gesucht und für vieles auch gefunden. Außerdem wurde diskutiert, wie man die eigene Projektarbeit vielleicht noch verbessern könnte oder auch was für Projekte man vielleicht starten könnte.
Viele der anderen Freiwilligen haben schon recht große Projekte mit Hilfe von Spendengeldern auf die Beine gestellt. Zum Beispiel wurden Gewächshäuser und Hühnerställe gebaut, kleine Bibliotheken gestartet, Schlafräume neu gestrichen und sogar ein neuer Klassenraum ist in Planung. Einerseits ist finde ich das großartig dass man sowas auf die Beine stellen kann. Andererseits kam bei allen Teilnehmern auch die Frage auf, ob es wirklich der Sinn eines Freiwilligen ist, mit Massen an Spendengeldern (bei eingen geht das schon fast auf die ZEHNTAUSEND zu) etwas aufzubauen, oder böse gesagt, sich eine Art Denkmal im Projekt zu setzten. Schön dargestellt hatte Philip (unser Seminarleiter) das ganze mit dem Vergleich zu einem Puppenhaus wo man "von oben" alles so zurechtrückt und ausgestaltet wie man will:
"...und hier noch eine neue Farbe, da noch der neue Raum, hier noch ein bisschen dies, ein bisschen das...".
Dieser Aspekt fällt bei Stella und mir ja eigentlich komplett weg, da hier ja wirklich alles (jedenfalls was Gebäude und Grundstücksgröße angeht) im Überfluss vorhanden ist. hier im St Stephen´s ist es viel mehr das Problem die laufend nötigen Gelder zusammenzukriegen (wobei ich inzwischen glaube, dass die vorhandenen Resourcen auch besser genutzt werden könnten...).
Ein weiterer toller Teil im Seminar war einfach das Zusammensein mit anderen Freiwilligen, der Austausch über Probleme und Erfolge, einfach die ganzen erzählten Geschichten, insgesamt also eigentlich genug Gründe um sich auf das Nachbereitungsseminar in Deutschland zu freuen.
Nach dem Seminar hatte ich auch nur eine Woche im St. Stephens zu tun, wo z.B. das oben genannte Pumpenprojekt fertiggestellt wurde.Danach habe ich mich schon wieder für einen halben Monat vom St. Stephen´s verabschiedet um die erste Hälfte vom April zusammen mit Jonas aus Nairobi den westlichen Teil Kenias unsicher zu machen. Über diesen einfach wunderschönen Urlaub (auch wenn ich nicht sagen kann, sonderlich entspannt und erholt wiedergekommen zu sein, da wir die ganze Zeit unterwegs waren) werde ich hier noch anders berichten (vorausgesetzt, ich schaffe es wieder meinen innernen Schweinehund zu überwinden und mich zum Berichte schrieben an die Tastatur zu setzen).
Nach meinem Urlaub waren ja immernoch einen halben Monat Ferien, es waren also mal wieder auch viele große Kinder im St. Stephen´s. Es ist auch einfach schön wenn auch tagsüber Kinder da sind, man kann einfach viel mehr machen.Ein großer Aspekt meiner Arbeit ist seit den Ferien die Nachhilfe. Dabei habe ich gemerkt, wie anstrengend es sein kann zu unterrichten. Außerdem habe ich einige Zweifel am kenianischen Schulsystem bekommen. Bei uns hat fast die Hälfte aller Kinder Probleme mit Mathe... (und das kann ja keine allgemeine Krankheit oder ein Genfehler sein...).
Zur Zeit konzentriere ich mich auf zwei oder drei, aber ich glaube, Hilfe hätten einige nötig.
Das merkt man besonders wenn man bei der Hausaufgabenhilfe an ner einfachen Aufgabe z.B. für Multiplizieren sitzt und die es einfach nicht ausrechnen können.Sowas wie Malfolgen lernen ist hier absolut Fehlanzeigem, deshalb versuche ich gerade einigen die Malfolgen etwas beizubringen.
Ein für mich recht witziger Aspekt ist, dass ich jetzt auch "Schönschriftunterricht" gebe.Und das mit Silas aus der dritten Klasse. Angefangen habe ich mit ihm auch wegen Mathe, und ich muss sagen, bei ihm hab ich immer wieder ein paar kleine Erfolgserlebnisse (was mich auch manchmal sehr über die Verzweiflung hinwegbringt, dass viele in der siebten oder achten Klasse immernoch schlecht oder gar nicht Kopfrechnen können .Ich werde auch immermal komisch angeguckt wenn ich Ergebnisse nach kruzer Zeit einfach hinschreiben kann wärend die noch versuchen es schriftlich hinzukriegen (andererseits bin ich schon froh, wenn sie wenigstens schriftlich rechnen und für vier mal sechs nicht vier Reihen mit je sechs punkten malen und dann abzählen...)
Eines Abends meinte Silas zu mir, ob ich ihm mit seiner Handschrift helfen könnte, die wirklich recht krakelig und wirr aussieht. Ich glaube, Silas hat einfach dass Problem, dass er Linkshänder ist. Er schreibt zwar mit links, aber fängt die Buchstaben oft auf der falschen seite an, manchmal wirds dann auch Spigelschrift... Und ich glaube, dass sich hier da auch keiner so richtig drum kümmert, oder es nochmal für ihn als Linkshänder zeigt und aufpasst, dass keine Spiegelschrift rauskommt. Deshalb übe ich jetzt immer mit ihm "schön" schreiben :)
Irgentwann Ende April hat eine unserer Kühe (die schon seit wir hier sind trächtig war) den ganzen Abend
ununterbrochen gemuht. Letztendlich hat das St Stephen´s irgentwann in der Nacht einen neuen Bewohner, einen zukünftigen Stier bekommen.Seit dem wird auch jeden Tag gemolken und einmal habe ich mich sogar (mehr oder weniger erfolgreich) versucht :)
Inzwischen hat heir auch wieder die Regenzeit begonnen. Tagsüber ist es meistens trocken, aber nachts regnet es oft in Strömen. Das bedeutet wieder schlammige und extrem rutschige Straßen. Einmal habe ich ein Auto "fahren" gesehen von dem man meinen konnte, er würde driften üben, auch wenn er einfach nur geradeaus wollte. Das auto rutschte von einer Straßenseite auf die andere, drehte sich einige Male im Kreis, kam dann gar nicht mehr vom Fleck was wahrscheinlich auch sehr an dem Alter des Autos und dem Hinterradantrieb lag. Letztendlich habe ich es dann zusammen mit einem anderen Passantan noch ca 50m geschoben, damit der der Fahrer irgentwann sein Ziel erreicht...
Ein anderes Problem ist gerade, dass unser Dach welches nur aus Beton besteht ein paar Risse hat und dort das Wasser reintropft. Inzwischen haben ein paar Maurer da auch schon was gemacht, mal sehen wie es den nächsten Regenguss übersteht.
Und trotz Regenzeit muss ich jetzt wieder mit nem Wassereimer duschen. Nach einer starken Regennacht ist nämlich die Grenzmauer zu unserem Nachbarn eingefallen, und die ganze Erde hinter der Mauer hat angefangen sich zu bewegen. Deshalb haben wir auch schon angefangen ein paar Toilletenhäuschen abzureißen. Dummerweise steht auf diesem Fleck Erde auch der Turm mit dem Hauptwassertank der von der Pumpe befüllt wird und das Wasser an alle anderen Tanks wseiterleitet. Der Turm steht schon leicht schief und man kann es eifnach niht riskieren, dass zwei tonnen Wassertank auf das Nachbarhaus fallen... Also Wasser ablassen und anfangen das ganze zu demontieren. Wo es danach wieder aufgebaut wird muss erst noch diskutiert werden, und das kann dauern! Ich weis nicht einaml ob ich das hier noch miterleben werde...
Und wir haben seit kurzem eine neue Freiwillige. Lorna aus Großbritannien. Sie ist für zwei Monate hier und hat jetzt auch schon mit den selben Problemen wie wir zu kämpfen: die übermäßige "Besorgtheit" unserer Chefin. Sie darf nirgentwohin ohne einen Angestellten gehen mit der Begründung, dass sie sich ja mit Kenia noch nicht auskennt und hier ja erstmal wie ein "Neugeborenes" ist (dabei kann sie natürlich auch nichts lernen wenn sie nirgentwo hin darf...) Und natärlich die Langeweile, denn eine Aufgabe hat sie noch weniger als Stella und ich. Ich hoffe ja für sie, dass sich das noch ändert.
Am 4. Mai war ich dann schon acht Monate hier. Zwei Drittel der Zeit sind also schon wieder um, und so langsam kommt auch immer wieder der Gedanke daran auf, dass meine Zeit hier bald schon wieder um ist. Und je näher man diesem Termin kommt, desto zwigespaltener werden die Gefühle darüber.
Einerseits freue ich mich schon sehr wieder aus Deutschland, auf alles was mich dort wieder erwartet, besonders auch auf mein bevorstehendes Studium.
Andererseits weis ich schon jetzt bei den vielen schönen Momenten, dass ich auch vieles vermissen werde und mir der Abschied von einigen Leuten auch nicht ganz leicht fallen wird. Aber vielleicht sollte ich darüber noch nicht zu sehr nachdenken, erstmal hab ich ja noch drei Monate hier vor mir :)
Nächstes Wochenende will ich mit Jonas nach Thika, zu den 14 Falls, ein paar richtig tollen Wasserfällen. am
Wochenende danach beginnt schon meine Mt. Kenya Expedition, zusammen mit den Mädels hier in Embu und noch ein paar anderen Freiwilligen.
Hoffentloch kriege ich es mal hin, noch ein paar Urlaubsberichte zu schreiben...
Liebe Grüße aus Embu
Philipp


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen