Dienstag, 7. Juni 2011

Endlich mal ein Urlaubsbericht...

Der nächste Monat ist schon wieder weg wie nichts, und mir verbleiben nur noch knapp drei Monate hier in Kenia.
Ich war wie geplant mit Jonas an den 14 Falls in Thika. Auf Bildern im Reiseführer sehen die immer aus als wären sie größentechnisch mit den Niagarafaellen in Amerika zu vergleichen. In der Realität sind sie jedoch nur etwa 10m hoch und zwischen 50 und 100m breit :) Es war trotzdem einfach toll. Bei den Besucherpreisen mussten wir mal wieder bis aufs Blut Handeln. An einem Schild stand für Tuoristen 4 US Dollar (maximal 350 KSH) und für Kenianer 60 KSH. Der Verkäufer wollte uns erst 700 KSH pro Person abknöpfen, aber am Ende konnten wir ihn auf 300 KSH für beide zusammen runterdrücken :) Wir sind mit einem Guide durch den oberen Fluss gewatet und die Strömung hat uns teilweise ganz schön zu schaffen gemacht. Außedem muss man sich wirklich Schritt für Schritt vorantasten, da man durch das braune Wasser absolut nichts sieht und viele der Steine im Fluss veralgt und dementsprechend rutschig sind.
Unten an den Wasserfällen ist Jonas auf eine schlechte Stelle getreten und stand dann auf einmal bis zu den Knien im schwarzen Schlamm aus Dreck und verrottenden Algen, sehr zum Gelächter der Guides und mir :)

Im St. Stephens gab es in letzter Zeit mal wieder einige Bauprojekte. Erst haben wir einen riesigen Unterstand für Feuerholz gebaut. Bei ca 4m Höhe frage ich mich jedoch, wo das ganze Holz herkommen soll.
Weiterhin wird neben der Küche jetzt eine weitere Küche gebaut. Beim Dachstuhl hab ich mich mal wieder unter die Handwerker gemischt, da hatte ich mal wieder einen Job dmit richtig Spaß :) Inzwischen wird gerade alles verputzt.
Ich finde das gesamte Projekt jedoch etwas fragwürdig, da die alte Küche eigentlich vollkommen ausreicht, und das Geld wahrscheinlich anders viel besser angelegt werden könnte. Dazu hab ich mir sagen lassen, dass es wahrscheinlich ein gesponsertes Projekt ist, was vor langer Zeit begonnen wurde und jetzt mal schnell fertig gebaut wird um eventuelle Besucher nicht zu enttäuschen...

An dem großen Wasserturm hat sich bisher noch absolut nichts getan. Statt dessen wurden einfach ein paar Plasterohre zur Überbrückung des tanks eingebaut. Wenigstens haben wir jetzt wieder Wasser in der Leitung was vieles sehr vereinfacht!

Dann war am 28.05. Johns Hochzeit. Die ganze Woche zuvor waren die meisten hier mit irgendwelchen Vorbereitungen beschäftigt. Ein etwas stressiges Thema waren die Hochzeitskuchen. Stella hatte schon länger mit John abgesprochen, dass sie die Kuchen macht, jedoch fingen die Staffmembers dann zwei Tage zuvor an viele Kuchen zu backen, was natürlich absolut zu Missverständnissen führen musste, besonders, da Stella und Esther etwas auf Kriegsfuß stehen und deshalb sogut wie keine Komunikation existiert... Es ist dann immer schwierig herauszufinden, wer jetzt was und wie zu wem gesagt hat um die totale Krise zu verhindern... Letztendlich haben Stella, Lorna und ich dann doch noch Kuchen gebacken, was bei mindestens 300 Gästen auch nicht schlecht war :)

Die Hochzeit selber war toll. Eigentlich sollte das ganze 10.30 Uhr anfangen. Letztendlich haben wir aber bis mindestens 12.00 Uhr auf den Autotross gewartet der die Braut vom anderen Ende der Stadt, aus Kangaru abholen sollte. Der Traugottesdienst ging für kenianische Verhältnisse nicht sehr lange. Wir waren spätestens 15.00 fertig.
Es war einfach toll und ich hab mich richtig für John gefreut, auch was alles für Ihn und seine Frau auf die Beine gestellt wurde!!!
Ich hab natürlich mal wieder fleißg fotografiert und wurde an einer Stelle sogar direkt als Kameramann bezeichnet :)
Nach dem Gottesdienst ging es dann noch zu einem haus mit riesigem Garten, wo nochmal viele Fotos gemacht wurden.
Danach ging das Feiern los.
Leider musste ich mit den anderen Mzungus schon eher los, da wir Abends noch nach Naro-Moru, dem Startpunkt für unsere Mt.Kenya Expedition gefahren sind die am nächsten tag starten sollte.

Am Sonntag den 29.05. sind wir vormittag nochmal einkaufen gegangen und nach dem Mittagessen dann zum Parkeingang des Mt. Kenya National Parks gefahren, haben unserer großes Gepäck an die Träger weitergegeben und sind dann mit nem kleinen Rucksack für Snacks und Wasser und den Regensachen losgelaufen. Unsere Gruppe Bestand aus uns vier Embu Deutschen aus Embu, Lorna unserer dritten St. Stephen´s Freiwilligen, Benjamin aus Kisii, den ich schon vom Vorbereitungsseminar kenne, Isaiah, einem fünfzehnjährigen Amerikaner der schon seit knapp sieben Jahren in Kisumu am Viktoriasee lebt, Gilbert, unserem Bekannten aus Embu (wir kennen ihn schon seit einigen Monaten, er arbeitet im Rescue-Center für Straßenjungen in der Innenstadt von Embu), der die ganze Expedition für uns organisiert hat und Silas, unserem Guide. Dazu kamen noch acht Träger und Kamiru unser Koch.
Am ersten Tag sind wir etwa vier Stunden gelaufen, bis zum ersten camp, der "Met. Station" in 3048m Höhe gelaufen.
Die Nacht dort war eisig kalt, auch wenn uns Gilbert  und auch Silas, unser Guide versichert hat, dass es richtig warm wäre... Kamiru unser zahnloser Koch hat uns echt tolle Malzeiten hergezaubert, es ist echt erstaunlich, was allein an Essen von den Trägern mitgeschleppt wird. Kamiru selbst ist 58 Jahre als und besteigt den Berg seit etwa 1970.
Morgens wurden wir von der Kälte (Abends hatten wir ein schön warmes Kaminfeuer...) und von einigen Affen geweckt, die lauft scheppernd über das Wellblechdach unserer Hütte hüpften.

Dann ging der Zweite Tag los, 8 Stunden immer bergauf laufen, erst durch tropischen Regenwald, dann durch ein Moorland, was recht rutschig war. Es hatte zum Glück nicht geregnet,sonst wäre der Weg dort noch schlechter und unübersichtlicher gewesen.Nach dem Moorland sind wir ein langes Tal hochgelaufen, bis zum zweiten Camp, dem "Mackinders Camp" in 4300m Höhe. Die Ganze Zeit in dem Tal über sind wir an etwas merkwürdigen Pflanzen vorbeigekommen, die ganze Vegetation scheint größer. Es gibt zwar keine richtigen Bäume mehr, dafür wachsen sämtliche Pflanzen und Kräuter auf einmal Meterhoch!

Der Dritte Tag war zum Glück zur Akklimatisierung eingeplant. Und das war für mich auch bitter nötig. Früh bin ich mit Kopfschmerzen, Schwindel-und Kotzgefühl aufgewacht. Das ganze verbesserte sich jedoch nach einer Tasse Zitronentee welche mir Silas unser Guide empfohlen hatte.
Vormittag sind wir dann zur Gewöhnung noch etwas weitergelaufen, zu einem kleinen Bergsee, der wie alles Wasser da oben eisig kalt war, aber trotz der zumindest Nachts vorherrschenden Minusgrade nicht gefrohren war. Dieses kleine Stück laufen hat mich so sehr angestrengt wie kein anderer Tag bisher. Nachmittag hieß es dann einfach schlafen, zusammensitzen und unterhalten und nach dem sehr frühen Abendessen wieder schlafen gehen.
Dafür sind wir am nächsten "Morgen" um 1.30 Uhr aufgestanden und dann mit Taschenlampen los zum Gipfel gelaufen.
Diese Strecke war schon ziemlich anstrengend, da wir langsam gelaufen sind ging es jedoch sehr gut für mich.
Zwei aus unserer Gruppe hatten kruzvorm Gipfel dann schon einige Probleme und hätten fast aufgegeben.
Wir sind dann aber fast alle noch kurz vor Sonnenaufgang am Gipfel angekommen und konnten die Aufgehende Sonne von Oben genießen. Es ist einfach ein überwältigendes Gefühl da oben auf einem Berggipfel zu stehen, rundherum nur nach unten zu gucken und sich einfach zu freuen dass man angekommen ist!!! auch die Bergketten die sich nach allen Seiten verliefen sehen einfach wunderbar aus. Die Sicht war leider nicht ganz so gut wie erwartet, sonst hätte man im Süden den Kilimanjaro in Tansania sehen können.
Oben auf dem Gipfel haben wir noch Lornas Geburtstag gefeiert, sogar mit einem kleinen Kuchen den Stella und ich zusammen mit den Hochzeitskuchen gebacken hatten.

Dann begann der Abstieg, für mich viel zu früh, ich hätte noch ewig da oben stehen bleiben und einfach genießen können. Da es am anfang recht steil war wurde der Abstieg auch nochmal recht anstrengend. Als wir gegen 9.30 Uhr alle wieder im Mackinders Camp waren bekamen wir erstmal Frühstück, wie immer einfach Klasse!
Danach ging es weiter bis runter zu unserem ersten Camp, wo uns ein Jeep abgeholt hat. Den Weg zwischen den beiden Camps bin ich mit Benjamin und Isaiah mit Patrik, einem unserer Träger mitgelaufen. Diese Träger sind einfach extrem! Sie schleppen einen riesigen, schweren Ruchsack, teilweise mit sehr schlechter Gewichtsverteilung auf dem Rücken und laufen dann ein Tempo, was schon eher rennen als laufen ist. Zum Glück hat Patrik mit uns drei pausen auf dem Weg eingelegt, im Gegensatz zu den anderen Trägern, die die Strecke von ca 16km in etwa zwei Stunden runtergerannt sind. Wir sind mit Patrik 1,5 Stunden Später angekommen, und die anderen nochmal mindestens eine Stunde später. Das ich mit Patrik mitgerannt bin hat mir in den nächsten drei Tagen ganz schönen Muskelkater eingebracht, es sieht dann einfach total komisch aus, wenn man versucht Treppen runterzugehen :)

Als wir wieder im St. Stephens angekommen sind, gab es gleich mal wieder einen Schock: Karanja, einer der zehnjährigen Jungs, die wirklich von der Straße kommen, war offenbar am Tag zuvor weggelaufen und wurde an diesem Tag total zugedröhnt (er hatte eine Flache Klebstoff dabei, was fast alle Straßenjungs schnüffeln..., hatte aber wahrscheinlich noch Alkohol oder sonstwas intus) am Tor von st. Stephens aufgefunden. Wir haben ihn dann erstmal etwas zu essen besorgt, ihn gewaschen und dann gezwungen etwas zu schlafen. Von den Angestellten kam da mal wieder keine wirkliche Reaktion, was uns drei Mzungus ganz schön aufgeregt hat.
Bei Karanja ist es das zweite Mal das er einfach wegläuft, er kam aber bisher immer von selbst wieder.
Am Abend hatte er sich schon wieder mit den Kindern zusammengetan und es ging ihm schon viel besser. Es war einfach toll zu sehen, dass es ihm wieder ganz gut geht, nachdem wir ihn  so zugedröhnt gesehen hatten.

Das wars erstmal bis hierher.
aber es gibt jetzt hier auf dem Blog eine weitere Spalte (oben neben "Startseite" und "Über mich" -> "Urlaub") wo mein erster Bericht über meine langen urlaub im April zu finden ist.

Bilder werden bald nachgereicht.

Liebe Grüße
Philipp

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