Urlaubsberichte

Naivasha und der Hell´s Gate Park

Am ersten April hab ich nach schon einige Zeit zurückliegender Planung meinen Rucksack für meine Rundreise durch Westkenia gepackt und bin nach Nairobi. Erstmal in den Suna Estate (bei vielen Freiwilligen auch als „German Village“ bekannt) die Freiwilligen dort besuchen und Martinas Geburtstag feiern. War wiedermal lustig mit etwa zehn anderen Freiwilligen zu feiern. Irgendwann nachts zusammen mit Jonas´ Mitbewohner Max per Motorradtaxi nach Lavington, dem Stadtteil wo Jonas wohnt. Eigentlich wollten wir Samstag früh losfahren, aber Jonas hatte Vormittag (man beachte das Kenianische Zeitverständnis...) noch eine Besprechung mit Chefs und Mitarbeitern und wer eben alles zu seiner Organisation dazugehört. Also hab ich erstmal ausgeschlafen und bin dann nochmal in  die Stadt noch bisschen Kleinkram kaufen und hab den Nachmittag mal wieder vor einem Computer mit Internet verbracht.
Sonntag früh sind wir dann in aller Ruhe losgefahren, zur ersten Station: Naivasha im Rift Valley.
Das Rift Valley ist ein riesiger Grabenbruch der sich durch ganz Ostafrika zieht und bei dem man noch heute jede Menge vulkanische Aktivitäten sehen kann. Die Straße nach Naivasha verläuft recht nah an der Abbruchkante, was uns schon dort einen tollen Ausblick verschaffte.
Naivasha selbst wirkte auf mich als übersichtliche und etwas verschlafene Kleinstadt.Wir haben uns erstmal eine Unterkunft gesucht und sind dann zum öffentlichen Strand (heißt so, auch wenn man nicht unbedingt baden sollte...) und haben eine kleine Bootstour auf dem Lake Naivasha gemacht, wo wir ne ganze Menge an Vögeln und auch ein paar Nilpferde erspähen konnten.
Abends gab es in unserer Unterkunft sogar heißes Wasser (was man auf den ersten Blick nicht wirklich erwartet hätte). Dieses wurde vom Wachmann im Hof in einem riesigen Boiler überm Holzfeuer erhitzt! Ich konnte also mal wieder eine HEIßE Dusche genießen :)
Am nächsten Morgen ging es dann gleich früh los: zum Hell´s Gate Park. Frühstück einfach auf ein paar Scheiben Brot und Wasser im Matatu zusammenkürzen und noch zwei Kilometer zum Parktor laufen. Dann die erste (wenn auch erwartete) Enttäuschung: Weder mein „Ausweis“ vom St. Stephens noch Jonas´ Brief von seiner Chefin wird als Grund akzeptiert uns für die kenianischen Preise reinzulassen. Also mussten wir doch den Touristenpreis von 25 US Dollar zahlen...
Das tolle an dem Park ist, dass man sich Fahrräder mieten kann und damit den Park durchfahren kann :)
Wirklich losgefahren sind wir dann gegen 7.30 Uhr, und schon kurze Zeit später bot sich uns ein herrlicher Anblick: die Felswände die von der gerade aufgegangenen Sonne angestrahlt wurden.
Der ganze Park wird von der Njorowa-Schlucht durchzogen die vor Jahrtausenden von einem Riesigen Fluss ins Gestein gefräst worden ist. Übriggeblieben sind an einigen Stellen Gesteinssäulen, ehemalige Lavaschlote, wie dem Fischer´s Tower, den man gleich am Anfang des Parks sieht. Dort haben wir auch einige murmeltierartige Wesen erspähen können, sogenannten Klippschliefern. Wir sind weiter in die Schlucht hineingefahren und haben Antilopen, Zebras, ein paar Giraffen und jede Menge Warzenschweine  sehen können.
Die Warzenschweine sind absolut komische Geschöpfe, wenn sie wegrennen strecken sie ihren Schwanz senkrecht nach oben, was absolut witzig aussieht. Ich hab mir von David dem Holzschnitzer aus Embu sagen lassen, dass sie außerdem ein extremes Kurzzeitgedächtnis haben: Wenn sie z.B. vor einem Löwen wegrennen vergessen sie nach kurzer Zeit wovor sie eigentlich flüchten und bleiben stehen :)
Die Schlucht, die am Anfang ein paar Hundert Meter breit ist wird mit der Zeit immer schmaler und geht am Ende in ein Tal über. Dieses wird jedoch von einer weiteren kleinen Schlucht durchzogen, welches nur halb kletternd, halb laufend erkunden kann. Hier frisst sich immernoch ein kleiner Bach immer tiefer in den kalksteinähnlichen Boden. In dieser kleinen Schlucht haben wir einige Heiße Quellen entdeckt, die hier dampfend aus dem Fels sprudeln. An einigen anderen Stellen im Park werden Bohrungen ins Gestein getrieben und der Dampf wird zu zwei Kraftwerken geleitet.
Da Jonas´ Fahrrad einen Platten hatte sind wir mit Fahrrädern in nem Auto der Kraftwerksarbeiter zu einem anderen Tor gefahren und haben dort mindestens eine Stunde gewartet bis wir endlich mit geflicktem Rad weiterfahren konnten. Wieder in der Mitte des Parks, kurz vor einem Ranger-Point an der kleinen Schlucht konnte ich bei mir ein deutliches Zischen am Vorderrad hören, die Ranger hatten aber zum Glück Flickzeug und eine Luftpumpe da...
Entgegen dem Ratschlag eines Rangers haben wir uns auf dem Rückweg entschieden, den Buffalo-Circuit, der bis zum höchsten Punkt des Parks führt, zu nehmen. Auf dem Weg sind wir nochmal einigen Giraffen begegnet, die nur ein paar Meter vom Weg standen.
Auf dem Buffalo-Rundweg haben wir recht schnell erkannt, warum der Ranger unser Vorhaben mit einem breiten grinsen hinterfragt hatte: es ging immer steiler bergauf. Und nach jeder kleinen Kuppe und einer Wegbiegung kam ein neuer Anstieg. Letztendlich haben wir nur noch schnaufend die Fahrräder hochgeschoben. Von oben konnte man dafür fast über den ganzen Park blicken und die ganzen einzelnen Dampffelder für die geothermischen Kraftwerke sehen, was bei schon etwas tief stehender Sonne um so toller aussah. Wir waren echt erleichtert, als es endlich wieder bergab ging. Der Weg bergauf kam mir wie tausend Höhenmeter vor, auch wenn ich später feststellen musste, dass es gerade mal dreihundert waren :)
Auf dem Weg nach unten, den wir mit ordentlich Speed runtergebrettert sind haben wir sogar noch ein paar Büffel sehen können, der Rundweg trägt seinen Namen also nicht umsonst :)
Letztendlich kamen wir kurz nach 18.30 Uhr (der Zeit um die der Park schließt) am Tor an und wurden von den lachenden Rangern empfangen die uns schon erwartet hatten :)
Wir haben uns noch ne ganze Weile mit ihnen unterhalten und sind dann mit dem KWS (Kenyan Wildlife Service) zurück in die Stadt gefahren.
Eigentlich hatten wir nur den halben Tag für den Park eingeplant, aber das war am Ende auch egal.
Also noch eine Nacht in  Naivasha verbracht und am nächsten Morgen weiter nach Nakuru.